Spielerporträt: Palko Dardai

Weiter geht’s mit Palko Dardai. Der U19-Nationalspieler mit der aus der ungarischen Handballnationalmannschaft bekannten Mutter, die von Kommentatoren gerne weniger oft erwähnt werden darf, ist ebenfalls kein simpler Spielertyp und weiß stattdessen durch ein vielfältiges Fähigkeitenprofil zu überzeugen.

In Herthas A-Jugend startete Dardai zumeist als Rechtsaußen, ist als schlichter Breitengeber aber verschenkt. Zwar ist er ziemlich gut darin, aus Dribblings gegen Außenverteidiger Durchbrüche zu erzeugen, noch besser kann er seine Anlagen aber in komplexeren Situationen beweisen.

Kiprit gewinnt den Ball, kann aufdrehen und den einrückenden Dardai bedienen, der sofort in den Lauf von Jastrzembski weiterleitet.

Sein Spiel ist maßgeblich von seinen körperlichen Voraussetzungen geprägt: Er ist, wie auch Julius Kade, relativ schmächtig. Alleine der Vergleich zu Nikos Zografakis, Starter auf dem anderen Flügel, beweist das. Auch Dardais Schnelligkeit ist nicht atemberaubend, dafür ist er umso besser in der Entscheidungsfindung. Sein Spiel ist nicht spektakulär, hat aber immer Hand und Fuß. Am meisten scheint es ihm zu liegen, wenn er diagonal ins Zentrum dribbeln kann. Dabei verfügt er über eine gute Übersicht und weiß Mitspieler einzubinden. Auch ohne den Ball zieht es ihn immer wieder in die Mitte, was sich in der A-Jugend oft gut mit den Bewegungen von Kiprit, Kade und Jastrzembski ergänzte, die Gegenbewegungen zu Dardais Läufen in die Mitte anboten.

In den meisten Fällen trieb Dardai bei seinen Drifts ins Zentrum zusammen mit Julius Kade Kombinationen von halbrechts/rechts zur linke Seite an, die Zografakis suchten, der dann aus Eins-gegen-Eins Situationen Flanken und Abschlüsse forcierte. Für diese Spielzüge schreckte Dardai offensichtlich auch nicht vor engen Räumen zurück, durch die er sehr elegant hindurchkombinieren kann. Am besten gelangen diese Kombinationen, wenn sich Palko schon im Halbraum anbot und mit dem ersten Kontakt entweder direkt auf Kade oder Kiprit weiterleitete, oder schon den Blick auf die andere Seite richten konnte. Auch Gegenspieler in seinem Rücken bereiten ihm keine allzu großen Probleme. Alternativ kann er aus sehr tiefen Positionen einen spielmachenden Part einnehmen, auch hier zielen viele Entscheidungen diagonal ins Zentrum und nach links.

Palko erhält in einem Konter den Ball, zieht vom Flügel in die Mitte und steckt auf den gestarteten Jastrzembski durch.

Mit Dennis Jastrzembski konnte Dardai ebenfalls einige Synergien entwickeln. Palko ist durch seine Anlagen dafür prädestiniert, Gegenpressing auszuhebeln und konnte anschließend oft die gut getimten Läufe Jastrzembskis einsetzen. Dieser startete dafür aus der Spielfeldmitte und suchte entlang der gegnerischen Abwehrlinie nach Schnittstellen, die er ansteuern kann. Währenddessen zog Dardai immer wieder vom Flügel diagonal in den Halbraum oder richtete sich kurz zur nach links aus, wenn er eh schon im Halbraum startete. Durch die Gegenläufigkeit von Dardais Dribbling und Jastrzembskis Lauf ist der erfolgte Pass dann besonders schwer zu verteidigen. Das Zuspiel selbst kann Palko sehr gut timen, bei der Passgewichtung kann er dann auch nicht mehr viel falsch machen, da Jastrzembski sowieso alles erläuft. Selbst wenn sich kein optimaler Moment zum Abspiel ergibt, kann der 19-jährige von der raumöffnenden Wirkung der Läufe seines Mitspielers profitieren, da die permanente Gefahr eines Durchbruchs Gegner bindet und wegzieht.

In solchen Szenen nutzt Dardai ebenfalls die vielen Dynamiken um sich herum, um freie Wege zum Tor zu finden. Gerade in etwas hektischeren Szenen, wie eben bei Kontern, kann er sehr gut freie Räume ansteuern und behält zu jeder Zeit die Bewegungen seiner Mitspieler im Blick.

Vor allem im letzten Drittel und bei einem organisierten Gegner kann Dardai natürlich nicht immer ohne weiteres diagonal in den Strafraum eindringen, hier kann er entstehende Eins-gegen-Eins Situationen durchaus auflösen. Dadurch, dass er seinen starken linken Fuß bevorzugt einsetzen möchte, kommt er dennoch lieber in die Mitte als zur Grundlinie. Auch wenn er außen an seinem Gegenspieler vorbeizieht, sucht er immer noch eher ein paar Meter zum Tor, als einfach schnurstracks die Außenlinie anzusteuern. Zwar erzeugt er keine Durchbrüche am Fließband und ist in kombinativeren Umgebungen noch besser aufgehoben, aber trotzdem kann er auch in isolierteren Szenen überzeugen.

Die schon angedeutete Spielintelligenz in Ballbesitz überträgt er auch nahtlos in die Balljagd nach Ballverlust. Dardai ist im Gegenpressing extrem aufmerksam und versteht es sehr gut, die Optionen seines Gegners mit seinem Deckungsschatten einzuschränken und ihn, wenn möglich, zu einer Fehlentscheidung zu leiten. Er hat ein sehr gutes Verständnis für die Staffelung der gesamten Mannschaft und kann es deswegen auch gut vermeiden einfach überspielt zu werden. Auch hier ist Palko in unübersichtlichen Szenen seinem Gegner gerne mal voraus. So hat er zum Beispiel ein sehr gutes Gespür dafür, wann ein Gegenspieler ihn aus seinem Rücken erwartet und wann nicht. Auch in der Zweikampfführung selbst ist der gebürtige Berliner sehr gut und sich auch für Grätschen nicht zu schade.

In etwas ruhigeren Pressingphasen kann er die guten Ansätze nochmal bestätigen. Aus einer Position außen zeigt er gute, bogenförmig nach innen lenkende Anlaufbewegungen gegen die Innenverteidiger, was Hertha vor allem gegen Dreierketten sehr oft nutzt. In solchen Situationen nimmt ein Flügelspieler den gegnerischen Außenverteidiger und angrenzende Räume in seinen Deckungsschatten und bringt den Innenverteidiger so um einen großen Teil seiner Optionen. Durch die Abgänge von Haraguchi und Weiser sind Hertha auf den offensiven Flügeln sehr gute Pressingspieler verloren gegangen, die durch ihre sehr intelligenten Bewegungen ein aktiveres Spiel gegen den Ball auch mal alleine tragen konnten (bestes Beispiel ist der 2:0 Erfolg gegen Schalke aus der vorletzten Saison), hier kann Palko also schon jetzt eine Bereicherung sein.

Tief in der eigenen Hälfte kombiniert Palko mit Florian Krebs und kann nach vorne durchstecken, wodurch er maßgeblich am so ziemlich einzigen erfolgreichen Aufbau vom eigenen Strafraum aus ist.

Ausblick: Auch Palko wird nicht direkt die komplette Bundesliga an die Wand spielen, hat aber auf jeden Fall das Potenzial zum Durchbruch. Anders als bei Julius Kade ist seine genaue Einbindung nicht so wichtig, weil er sich wie beschrieben in einer Vielzahl von Rollen wohlfühlt. Wenn er besonders gute Leistungen bringen soll, sollte sein Trainer im möglichst diagonalen Zugriff auf den Halbraum ermöglichen. Deswegen ist neben seiner jetzigen Rolle als inverser Flügelstürmer die rechte hohe Achterposition (mit viel Herauskippen) und vor allem eine Wingbackrolle interessant. Zu ersterem wäre er vermutlich auch jetzt schon in der Lage – Man beachte seine intelligenten Bewegungen ohne Ball. Als Flügelverteidiger könnte er aber mit den direkten Duellen (noch) überfordert sein, wobei er den Wingbacks, die bei anderen Bundesligisten eingesetzt werden, auch jetzt schon Standhalten dürfte. In der Jugend wurde er auch vereinzelt als Zehner eingesetzt, wodurch sein Pressingverhalten natürlich noch stärker zum Tragen kommen kann und er andererseits als Umschaltzehner ganz gut aufgehoben ist. Langfristig sollte er aber als quasi spielmachender Flügelverteidiger mehr Potenzial besitzen. Durch seine etwas tiefere Ausgangsposition kann er wahrscheinlicher nach vorne aufdrehen und dem Spiel seinen Stempel aufdrücken. Dass diese Rolle bei Hertha mittelfristig vermutlich nicht vorgesehen sein wird und der Youngster deswegen um Teile seines Potenzials gebracht wird, ist ein Problem, dem wir auch in den anderen Spielerportraits begegnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.